Hallo, willkommen zu einer neuen Hängematten-Perspektive von
draußen im Walde und wird heute ein Stück
im Priesengrund spazieren.
Das Thema im Kopf ist die schöne Hängematten
-Perspektive.
Ich habe jetzt gerade tatsächlich einfach nur ein
bisschen Schritte im Laus aufgezeichnet für den Anfang,
weil, ja, hier zwitschern so ein paar Vögel,
aber im Hintergrund hier ist noch so die,
was ist das?
Das ist, glaube ich, die Stauffenbergallee, die St.
Xavier-Biadukt, und die lärmt jetzt um diese
Zeit doch ganz schön.
Auf der anderen Seite läuft jetzt gerade schön
eine Priesenz lang, die fließt hier so friedlich
vor sich hin.
Und es wird jetzt hier langsam ein bisschen
ruhiger.
Es ist schön hier, ich mag das hier.
Es ist echt, also für alle Dresdner gerade,
die Neustädter, also wenn ihr den Priesenzgrund noch
nicht kennt als Fleckchen, wo man mal schnell
spazieren gehen kann, ja, also wirklich, wirklich die
absolute Empfehlung, wenn man einfach mal ein bisschen
rauskommen will.
Vom Alloun-Park hinterher zum Priesenzlaufen, dann an
der Priesenz langlaufen bis zur ersten Brücke und
wieder zurück.
Das schafft man locker in unter einer Stunde,
wenn man gemütlich läuft, und das ist eine
richtig geile Übung.
So, das einfach so vorweg, Local Tip, also
ich bin total gerne hier, weil es eben
ein Ort ist, an den ich auch super
schnell komme, wenn ich in der Neustadt bin
und nochmal raus will, wo ich auch ein
bisschen ein Gefühl kriege, also wenn ich jetzt
nicht gerade nach oben gucke, wo ein Kasernengebäude
ist oder so, sondern halt eben mich schon
auch auf die Natur konzentriere, dass es hier
schon schön verwildert und durchwachsen.
Das ist relativ cool.
So, aber was ist mein Thema heute?
Mein Thema heute ist Sprache im Business, Sprache
im Job, Sprache auf der Arbeit, im Team.
Ich versuche mal ein bisschen Kontext erstmal dafür
zu schaffen.
Ich habe ungefähr die Hälfte meines angestellten Arbeitslebens
in multinationalen Teams verbracht, also Teams, wo teilweise
der Anteil von gebürtigen Deutschen unter 25 Prozent
lag.
Das heißt, da war die Arbeitssprache in der
Regel gar nicht Deutsch, sondern die Arbeitssprache war
Englisch.
Und ich war zudem vor zwei Tagen auf
dem Kariertag einer Messe, es ist eine Jobmesse
hier in Dresden, also die machen Messen an
verschiedenen Orten und die haben so eine Coachingzone,
da war ich als Coach und habe da
mit vielen wunderbaren Leuten reden können.
Und ein Thema, was aber eigentlich fast erschreckend
wiederkehrendes Thema war, war das Thema Sprache.
Ich hatte mehrere Menschen da zu sitzen aus
verschiedenen Ländern, die gesagt haben, Hilfe mir mal,
ich weiß einfach nicht, was ich machen soll,
ich finde keinen Job, weil in den Stellenbeschreibungen
steht halt überall drin, ich brauche entweder ein
Sprachzertifikat B2 oder teilweise sogar ein C1 Zertifikat.
Ich habe gerade mal meine B1 Prüfung geschafft
und ich fühle mich jetzt total unsicher in
meiner Sprache.
Wow, das hat mich jetzt gerade so ein
bisschen zum Nachdenken angeregt, eben genau über dieses
Thema.
Also was bedeutet denn eigentlich Sprache so im
Jobkontext?
Sprache ist ja für uns Menschen, also jetzt
erstmal ganz objektiv betrachtet, ist Sprache für uns
Menschen ein Kommunikationsmittel, ein Weg sich auszudrücken, ein
Weg in Verbindung zu treten.
Und wenn sich zwei Menschen gegenüber sitzen, die
sich nicht verstehen, dann haben wir ein Problem.
Dann entsteht erstmal ein ganz konkretes Problem, dann
ist erstmal kein effektives Arbeiten möglich, dann ist
es ganz schwer eine Verbindung in Form eines
Teams zu erschaffen.
Und von effizientem Arbeiten, wie es in vielen
Wirtschaftsunternehmen heute immer noch gefordert ist, braucht man
da eigentlich gar nicht anfangen.
Und was ich einfach super krass finde an
der Stelle, ist, dass diese Personen, mit denen
ich da gesprochen habe, die dieses Sprachzertifikatsproblem haben,
also ich konnte wunderbar mit denen Deutsch sprechen.
Teilweise haben die auch ein fließendes Englisch gesprochen,
wo ich wunderbar mit denen in Kontakt treten
konnte.
Aber grundsätzlich hat das auch auf Deutsch funktioniert.
Das ist natürlich logisch, das ist anstrengend für
die und es ist auch anstrengend für mich.
Also für den Sprecher ist es anstrengend, wenn
er die Sprache nicht gut kann und es
ist für den Zuhörer auch anstrengend.
Also von Effizienz braucht man da erstmal noch
nicht reden.
Aber ganz ehrlich, eine Sprache lerne ich nicht
dadurch, dass ich Vokabellisten auswendig lerne oder Grammatiktests
schreibe, sondern die lerne ich dadurch, dass ich
in Verbindung trete mit einer Person, die die
Sprache vielleicht ein bisschen besser kann und sich
dadurch einfach ein Sprachniveau ergibt, was besser wird.
Also Übung ist es, was ein besseres Sprechen,
bessere Sprachkenntnisse herstellt.
Und das kriegt man, glaube ich, mit Sprachkursen
nur sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr,
sehr, sehr, sehr langwierig hin.
Weil wenn ich an regelmäßiges Sprechen denke, dann
denke ich nicht irgendwie an einmal in der
Woche 90 Minuten in einem Sprachkurs, wo ich
dann 5 Minuten Zeit habe, mal zu sprechen.
Oder wenn ich richtig Glück habe, irgendwie Paarübungen
gemacht werden, wo ich vielleicht von den 90
Minuten 45 mit einer Person sprechen soll über
total alltagsferne Themen, die selber kein Deutsch kann.
Das ist so ein bisschen schwierig, finde ich,
also dieser Ansatz.
Und warum finde ich den Ansatz schwierig?
Ja, weil auf der anderen Seite eben diese
Anforderung da ist, die sagt, ja, wenn du
bei uns arbeiten willst, dann musst du aber
so ein Sprachzertifikat haben und musst da dieses
oder jenes Level erreichen.
Wenn ich so ein bisschen reingucke, das kann
man sicher googeln, Wikipedia ist das relativ knapp
in der Tabelle, einfach aufgeschrieben, was so die
Anforderungen an A1 bis C2 sind.
Wow, also ich kenne Native German Speakers, die
erfüllen nicht mal die Anforderungen für B1.
Aber in der Arbeitswelt wird das dann teilweise
gefordert.
Das ist ein bisschen in Zwiespalt natürlich.
Ich möchte halt einerseits natürlich, muss man gucken,
wie viel Kommunikation ist erstmal notwendig und wie
gut muss diese Kommunikation sein, damit sie dann
auch dem Kontext gerecht wird.
Also ich sage mal so, ein Lehrer oder
eine Lehrerin, wenn die halt absolut keine Sprachkenntnisse
haben und sich nicht auf Deutsch ausdrücken können,
dann ist das natürlich ein Problem.
Ich rede schon wieder von Problemen heute so
viel.
Eigentlich ist es gar kein Problem, es ist
erstmal eine Hürde, die überwunden werden muss und
es ist möglicherweise auch ein Kriterium, von dem
man valide sagen kann, okay, wenn eine Lehrerin
nicht in der Lage ist, das, was sie
da tut, ordentlich zu artikulieren und auszudrücken, dann
muss man sich gegebenenfalls die Frage stellen, ob
sie das in diesem Job machen kann.
Aber auf der anderen Seite sind wir dann
im Arbeitssystem wieder so unflexibel, dass wir dann
sagen, ja gut, du kannst ja gar nichts
machen, qualifizier dich erstmal.
Und das finde ich Mist, zu sagen, ja,
du musst dich erstmal qualifizieren und dann kannst
du einen Job bekommen.
Das zieht sich durch.
Sprache ist ja so ein richtig krasses Beispiel,
wie ich finde, von dem man halt wirklich
sagen muss, okay, gibt es da nicht irgendwie
andere Gedanken dazu?
Gibt es da nicht andere Lösungen an der
Stelle, die man einfach denken müsste, denen man
einfach Raum geben müsste?
Weil, und das ist meine hundertprozentige Überzeugung, Sprache
lernt man nur, indem man sie anwendet.
Es muss eine Notwendigkeit geben, die Sprache zu
lernen.
Und es muss auch Möglichkeiten geben, diese Sprache
praktisch anzuwenden.
Und wenn wir zum Beispiel sagen, und ich
komme jetzt einfach auf dieses Lehrerbeispiel zurück, und
ich denke, das ist ein bisschen radikal jetzt
an der Stelle, wenn ich sage, ja, eine
Person mit 15 Jahren Erfahrung als Lehrerin oder
Lehrer in einem fremden Land, keine deutsche Muttersprachlerin,
gibt sich mega Mühe, Deutsch zu lernen, ist
schon in der Lage, sich auf einer Jobmesse
mit einem wildfremden Menschen, den sie nicht kennt,
über diese Probleme auf Deutsch auszutauschen.
Wieso sagen wir der, du kannst nicht als
Lehrerin arbeiten?
Und wenn ich da wirklich tief dahinter tauche,
dann denke ich mir, warum können wir das
nicht machen?
Naja, wir können das nicht machen, weil wir
unseren Jugendlichen nicht zutrauen, mit einer Person oder
etwas von einer Person zu lernen, deren Sprache
sie nicht gut verstehen.
Weil unser Anspruch ist, es muss sofort verständlich
sein, und es muss sofort losgehen.
Das finde ich eigentlich ziemlich krass, weil wir
damit eigentlich ja schon den jungen Menschen auch
wieder spiegeln, naja, eine Person, die dir etwas
beibringen kann, die muss perfekt deine Sprache beherrschen.
Und in beide Richtungen kann es ja einfach
sein, wenn ich eins zu eins mit einer
Person, die meine Sprache nicht spricht, rede, dann
frage ich nach, wenn ich etwas nicht verstehe.
Ich höre, da finden die Wahrnehmungsprozesse statt, die
nun mal bei einer Konversation stattfinden.
Und schlussendlich gibt es Punkte, wo ich sage,
das Wort verstehe ich jetzt nicht, was meinst
du damit?
Bitte erklär es mir nochmal.
Und das ist wirklich Kommunikation.
Das ist dann wirklich Kommunikation, wenn ich sage,
ich verstehe jetzt gerade nicht, was du da
erzählst.
Und genauso fair muss es sein, dass ein
Schüler sagt, hey, ich verstehe nicht, was du
da erzählst.
Kannst du mir das bitte nochmal erklären?
Das muss fair sein.
Das ist Augenhöhe an der Stelle.
Und da ist es sogar egal, ob das,
jetzt komme ich gerade ein bisschen vom Thema
ab, egal ob das jetzt eine Sprachbarriere ist,
oder ob das schlicht und ergreifend ein deutscher
Muttersprachler ist, der absolut nicht in der Lage
ist, irgendeinen wissenschaftlichen Sachverhalt jugendgerecht, kindgerecht
wiederzugeben.
Da muss der Jugendliche eigentlich auch das Recht
zu haben.
Hey, Herr Müller, tut mir leid, aber was
Sie da jetzt gerade an die Tafel geschrieben
haben, ergibt für mich keinen Sinn.
Können Sie mir das nochmal so erklären, dass
ich es verstehe?
Aber dafür haben wir keine Zeit.
Dafür haben wir im Schulsystem keine Zeit, weil
wir auch im Schulsystem auf Effizienz getrimmt sind.
Und vielleicht auch darauf getrimmt sind, dass Lehrer
Götter sind, die alles wissen.
Und da fehlt aber eben irgendwas.
Ich könnte da auch eine Lehrerin, die ein
brauchbares Deutsch, sag ich mal, mit ihr reden
kann, wo man sich in die Bar setzen
kann und sich unterhalten kann, oder mit der
man einen Spaziergang machen kann und wo man
sich ein bisschen was erzählen lassen kann von
ihrer Heimat, von ihren Alltagsproblemen.
Wenn das funktioniert, dann ist die auch in
meinen Augen in der Lage, Unterricht zu halten,
wenn es die Offenheit von beiden Seiten gibt,
zu sagen, hey, okay, dann müssen die Schüler
eben mal nachfragen, dann geht der Unterricht halt
vielleicht nicht ganz so schnell.
Und wir sind noch an einem anderen Punkt
hier natürlich auf Effizienz gebürstet, auch im Schulsystem,
dass wir hier sagen, warum packen wir denn
nicht einfach eine qualifizierte Lehrperson, die die deutsche
Sprache nicht beherrscht, mit einer qualifizierten Lehrperson, die
die deutsche Sprache herrscht, zusammen in so eine
Klasse und lassen sie zusammen Unterricht machen.
Warum lassen wir die nicht zusammen Unterricht vorbereiten,
Gedanken austauschen, wie sie das machen wollen, und
dann zu zweit in die Klasse gehen und
zu zweit diesen Unterricht durchführen.
Dann reduzieren wir massiv das Problem mit
der Sprachbarriere und wir reduzieren gleichzeitig das Problem,
dass wir in manchen Klassen einfach zu wenig
Lehrer drin haben.
Oder, ich denke, es ist vielleicht noch ein
ganzes Stückchen weiter, wir haben teilweise Schulen zum
Beispiel in Dresden, zumindest nach Hörensagen, die einen
sehr, sehr hohen Anteil von migrantischen Personen haben.
Sagen wir mal, eine Klasse, in der die
Hälfte ukrainische Flüchtlingskinder sind.
Ganz ehrlich, wo wäre denn jetzt das Problem
vor dieser Klasse, zwei Lehrer zu setzen, eine
deutsche Muttersprachlerin, akkreditierte Lehrerin, und wir setzen noch
eine zweite dazu, die dieselbe Fächerkombination hat, die
aber ukrainischstämmisch ist und die fließend ukrainisch-russisch
spricht, die dabei ist, Deutsch zu lernen, und
die diese ganzen Sprachhürden aufheben könnte, die da
existieren, nicht indem sie den Unterricht in Ukrainisch
macht, überhaupt nicht, das ist nicht das Ziel,
aber indem sie in Situationen, wo es einfach
eine Sprachbarriere gibt, weil sich etwas ganz schlecht
auf Deutsch erklären lässt, einspringen kann und sagen
kann, okay, ich erkläre dir das jetzt einmal
auf Ukrainisch, und danach kannst du es verstanden,
und dann machen wir auf Deutsch weiter, Punkt.
Das wäre ein supergeiler Kompromiss, der würde allen
helfen, aber machen wir nicht.
Und das ist jetzt, bin ich jetzt zum
Beispiel nur im Schulsystem geblieben, und es ist
eine Hängemattenperspektive, so ein bisschen Blick nach oben,
was wäre überhaupt irgendwie möglich, dass es da
ganz viele Hürden in unseren Köpfen gibt, dass
es da ganz viele Hürden in Elternköpfen gibt
und in Ministerial- und Schulgesetzköpfen gibt.
Ich bin drauf geschissen, weil wir brauchen eine
tolle, eine bessere Welt, von der wir träumen
können.
Und das Problem betrifft nicht nur den Schulsektor.
Das betrifft auch ganz einfache Sachen wie buchhalterische
Tätigkeiten.
Die sind, verdammt noch mal, in einem osteuropäischen
Land nicht so viel anders als hier bei
uns in Deutschland.
Ja, wir haben andere Gesetze, wir haben andere
Buchhaltungssoftware, aber ganz ehrlich, hier sollte nicht ein
Sprachzertifikat ein Hinderungsgrund sein, eine Person einzustellen.
Niemand kann behaupten, wir haben Fachkräftemangel in der
Finanzbuchhaltung, während man gleichzeitig sagt, ja nee, tut
uns leid, aber die brauchen halt ein C1,
wenn sie bei uns arbeiten wollen, weil unsere
Mitarbeiter können alle kein Englisch oder kein Russisch
und kein Französisch und die wollen halt gerne
fließendes Deutsch sprechen.
Was für ein Bullshit!
Ja, das ist eigentlich heute eine schöne Hängemattenperspektive
gewesen, so wie ich es mir vorstelle.
Ich habe keine Lösung für das Thema, aber
es ist einfach ein Thema, was gerade in
mir unglaublich gearbeitet hat und was jetzt hier
einfach mal raus wollte.
Und ich würde mich natürlich über Rückmeldungen zu
der Folge freuen.
Ihr könnt die mir per Mastodon schicken, ihr
könnt die mir per LinkedIn, Insta, PM, E
-Mail, was auch immer schicken.
Ich würde mich freuen, darüber ins Gespräch zu
kommen, vielleicht auch nochmal eine zweite Folge zu
machen, wo man das Gespräch einfach mal diskutiert.
Dass nicht nur ich laber, mal rausgehen und
einen draußenen Spaziergang machen.
Das wäre cool.
Habe ich irgendwie Lust drauf.
Ich habe immer noch so viel Lust und
dann wird es nicht, aber gucken wir mal.
Vielleicht wird das ja besser.
In dem Sinne, ich wünsche euch eine richtig
gute Zeit.
Ich bin jetzt hier gleich an der Straße,
ich stehe gleich in den Bus ein.
Ihr merkt es ja an den Hintergrundgeräuschen, da
baggert es irgendwie und es rauschen die Autos
wieder.
Ich bin raus aus dem Priestensgrund und wenn
ich jetzt hier drauf gucke, als ich rein
bin in den Priestensgrund, war ich unten am
Priestenszahlviadukt.
Jetzt bin ich hier oben an der, oh
Gott, ich weiß gar nicht wie es heißt,
an der alten Garnisonskirche oben.
So, so ist es.
In dem Sinne, macht's gut.
Wir hören uns.
Ciao, ciao.
Nachklänge, ich gucke mal.
Vielleicht schneide ich euch noch ein bisschen was
ran.
Aber echte Nachklänge gibt es jetzt hier gerade
nicht.
In dem Sinne, macht's gut.
Bis zum nächsten Mal.