Zurück zur Natur
Ep. 18

Zurück zur Natur

Episode description

In dieser Folge der Hängematten-Perspektive geht es um die Frage, was „Zurück zur Natur“ in einer Welt mit knapp acht Milliarden Menschen überhaupt bedeuten kann – und was nicht.

Ich räume auf mit der romantischen Vorstellung, wir könnten einfach wieder Jäger:innen und Sammler:innen werden, und schaue stattdessen auf:

den Wald als Ressourcenkreislauf: Nährstoffe zirkulieren, Wachstum ist begrenzt, nichts wird verschwendet

unsere Gesellschaft als Ressourcen-Einbahnstraße: von Erdöl über Fast Fashion bis zu Müllbergen

sichtbare Grenzen von Wachstum in Landwirtschaft, Konsum und globalen Stoffströmen

die Frage, wie wir Technologie & Komfort nutzen können, ohne Wildnis und Ökosysteme weiter auszubeuten

Am Ende geht es um einen Perspektivwechsel: Nicht „zurück in die Natur aussteigen“, sondern Entscheidungen in Resonanz mit Natur treffen. Denn wo wir denken – im Betonraum oder zwischen Bäumen – prägt, welche Ideen überhaupt entstehen.

Wenn du Lust hast, dein eigenes „Zurück zur Natur“ jenseits von Romantik und Weltflucht zu hinterfragen, ist diese Folge für dich.


Gab es einen Moment, der hängen geblieben ist – oder eine Frage, die nachhallt? Ich freue mich über deine Rückmeldung, egal ob lang oder kurz.

Du kannst mir schreiben:

💌 E-Mail an haengematte@hanjo-meinhardt.de
🐘 Mastodon: @waldcoach@dresden.network
💼 oder über LinkedIn

Ich lese mit – und ich antworte.

Vielleicht entsteht daraus ja ein kleiner Waldpfad von Gedanken.

Download transcript (.srt)
0:40

Einen wunderschönen guten Morgen oder guten Abend, wenn

0:44

man hier diese Hängemattenperspektive hört.

0:48

Wie nenne ich das Intro?

0:50

Ich nenne das Intro menschliche Füße auf mit

0:56

Rauräuf überfrorenen Wiese.

1:03

Ja, weil ich gerade auf einer Wiese unterwegs

1:06

bin, mache ich einen Spaziergang.

1:08

Es ist gerade sehr winderlich, sehr kalt.

1:12

Wenn ich los bin, waren es mindestens 4

1:17

Grad, jetzt sind es 5 oder 3.

1:21

Es ist auf jeden Fall schon leicht unter

1:23

Null und es ist relativ frostig.

1:25

Heute hat sich die Sonne, jetzt hat sich

1:26

eine große Wolke davor geschoben.

1:32

Deshalb bin ich gerade ein bisschen abgeschottet von

1:34

dem mächtigen Fusionsreaktor.

1:38

Und ja, das macht es jetzt natürlich schon

1:40

ein bisschen frisch.

1:43

Ich bin gerade auf einem pragmatischen Spaziergang.

1:49

Ich habe gerade ganz tolle Fotos von Eiskristallen

1:52

gemacht, die überall gewachsen sind.

1:57

Das hat mich auch wieder so ein bisschen

1:59

in so eine Nachdenkstimmung versetzt und mich total

2:04

runtergeholt und entspannt.

2:09

Und jetzt gehe ich einfach noch ein Stück

2:11

und dachte mir, ach, los, ich zeichne jetzt

2:16

einfach mal noch eine Hängemattenperspektive auf.

2:18

Mal gucken, ob und wann ich sie veröffentliche.

2:22

Ich werde sie bestimmt veröffentlichen, wenn ich nicht

2:23

zu viel rumschau.

2:28

Ja, das war mein Gedanke, der mich gerade

2:31

eben getragen hat.

2:33

Wie gesagt, es ist jetzt frostig geworden und

2:37

das ist quasi so der erste richtige Frost,

2:42

den wir jetzt haben.

2:43

Und das ist für mich auch ein bisschen

2:45

der Moment, mich noch mal so ein bisschen

2:48

wehmütig zu erinnern an den Spätsommer, an den

2:51

Herbst, an die Fülle von Obst, die es

2:56

dieses Jahr gab.

2:57

Das hat jetzt natürlich mit den Frosten ein

3:00

Ende, weil es friert in die Äpfel rein.

3:04

Die sind dann nicht mehr haltbar, die schmecken

3:05

nicht mehr so gut.

3:09

Deshalb ist jetzt quasi mit Äpfelsammel erst mal

3:12

vorbei.

3:18

Aber wir haben noch einen schönen Vorrat und

3:20

über den sind wir sehr dankbar.

3:24

Genau, über den sind wir sehr dankbar, der

3:27

wird auch noch ein paar Wochen reichen.

3:30

Und andere Sachen sind ja auch jetzt immer

3:32

noch zu sammeln und zu ernten.

3:36

Man kann, wenn man möchte und die Möglichkeiten

3:38

dazu hat, eigentlich den ganzen Winter über Wildkräuter

3:44

sammeln.

3:44

Wir haben dieses Jahr tatsächlich das erste Mal

3:48

irgendwie geschafft, noch Salate auszusehen.

3:52

Also winterharte Salate, die grundsätzlich auch bei niedrigen

3:55

Temperaturen wachsen.

3:57

Mal schauen, ob das was wird.

3:59

Ich habe sie nur mit einem Vlies abgedeckt,

4:02

weil das Gewächshaus, was ich bauen wollte, das

4:05

habe ich irgendwie dann doch nicht mehr geschafft.

4:09

Das heißt, drum ist mal ein Experiment, wir

4:12

gucken einfach mal, ob da noch was wächst

4:16

und noch was groß wird, was man brauchen

4:18

kann und dann essen kann.

4:22

Und Beeren gibt es auch manche noch, die

4:25

man jetzt auch eine ganze Weile noch sammeln

4:28

kann.

4:29

Also zum Beispiel die Schlehen, die vergammeln jetzt

4:33

durch den Frost eigentlich eher nicht.

4:34

Die verlieren eher durch den Frost ihre astrindierende

4:40

Wirkung.

4:41

Also dieses, wenn man eine Schlehe gegessen hat,

4:43

der weiß, das sind ja so kleine blaue

4:47

Pflaumen.

4:49

Das sind Wildpflaumen, so ganz klein, so von

4:52

der Größe wie eine Heidelbeere.

4:56

Und wenn man die isst, die sind zum

5:01

einen unglaublich sauer.

5:03

Das zieht sich so richtig im Mund alles

5:05

zusammen, so in Brocken und fühlt sich ein,

5:09

als ob man da so eine

5:12

Betäubungsspritze vom Zahnarzt drin hat.

5:24

Und diese Wirkung, die lässt im Prinzip nach,

5:27

weil die Substanzen, die das vorsorgen, sind nie

5:30

frostfest.

5:30

Ansonsten hält die sich noch eine ganze Weile,

5:32

die Beere, am Strauch.

5:37

Ansonsten wird zur Zeit natürlich mit dem Frost

5:39

immer weniger, was uns der Wald gibt.

5:47

Der Weg, den ich gerade lang gehe, hier

5:49

sind in den letzten zwei Jahren eine ganze

5:51

Menge Bäume gefällt worden.

5:54

Das waren so Pappeln und Birken.

5:57

Und ich sehe jetzt, da haben sie hier

5:58

ganz viel nachgepflanzt.

6:00

Das freut mich gerade, dass hier mal was

6:03

gemacht wird.

6:04

Hier haben sie Eichen gepflanzt.

6:08

Das sieht aus wie eine Buche, eine Heimbuche.

6:11

Das sieht aus wie ein Ahorn.

6:14

Eine Kastanie.

6:17

Okay.

6:20

Ihr seht, ich bin unterwegs, ich gehe spazieren.

6:22

Ich bin vorhin komplett runtergefahren und diesen Wahrnehmungsmodus

6:27

habe ich mit Fotos gemacht.

6:29

Die sprechen nur, was ist das, was ist

6:31

das.

6:32

Es könnte also passieren, dass ich in der

6:33

Folge ein bisschen was erzähle.

6:36

Aber eigentlich haben mich diese Überlegungen zum Wobst

6:41

ein bisschen dazu gebracht zu überlegen, wie

6:53

man in dem Kontext diese ganzen Initiativen nicht,

6:58

aber diese Tendenz und diese Stimmung von zurück

7:07

zur Natur, wie man das jetzt eigentlich lesen

7:09

sollte.

7:13

Wo wir ganz oft feststellen, diese Romantisierung und

7:20

Idealisierung des Jäger- und Sammlertums auch.

7:26

Von dem ich mir so sage, ja, finde

7:32

ich auch irgendwie toll.

7:36

Aber wie passt das eigentlich mit unserer heutigen

7:40

Zeit zusammen?

7:43

Also wer hier schon Podcasts gehört hat oder

7:45

mich kennt oder auch auf meiner Webseite unterwegs

7:49

war mal, ich selber bin ja total der

7:53

Meinung, wir müssen mehr raus in die Natur,

7:55

wir müssen uns wieder mit der Natur verbinden,

8:00

wir müssen wieder in Kontakt treten, wir müssen

8:04

wieder die Natur verstehen und wieder in Einklang

8:12

mit der Natur kommen.

8:13

Und das ist für mich tatsächlich gerade so

8:19

ein Punkt, über den ich jetzt gerade nachdenke.

8:23

Was bedeutet das eigentlich?

8:25

Was bedeutet das eigentlich, mit der Natur wieder

8:28

in Einklang zu kommen?

8:33

Das bedeutet auf jeden Fall nicht, damit würde

8:37

ich einfach mal anfangen, oder das ist eigentlich

8:39

das Kernproblem für mich gerade.

8:42

Das bedeutet nicht, dass wir wieder leben müssen

8:45

oder sollen oder überhaupt können, wir Jäger und

8:52

Sammler.

8:52

Das wird nicht funktionieren.

8:59

Dazu sind wir Menschen in unseren westlichen Gesellschaften

9:03

einfach schlicht und ergreifend zu viele.

9:07

Wir sind zu viele, um leben zu können

9:11

wie Menschen vor 30.000 Jahren.

9:16

Das geht nicht.

9:24

Wir sind zu viele und es gibt auch

9:26

viel zu wenig existierende Wildnis dazu, um uns

9:32

überhaupt noch weiter zu ernähren.

9:36

Also wenn ich mir anschaue, selbst hier wo

9:40

ich jetzt stehe, ich habe hier einen schönen

9:42

Blick über das Elbtal gerade und sehe Dresden

9:47

so eingebettet in die Dresdner Heide.

9:50

Auf der anderen Seite sehe ich das Kaisbachtal,

9:56

wo auch schöne Bäume sind, was so ein

9:58

bisschen wie Wald aussieht.

9:59

Es geht zueinander über, ich sehe schöne Felder

10:02

mit Hecken und fast schon so wie sie

10:08

sein sollen.

10:09

Auf der anderen Seite sehe ich auch gigantische

10:12

Flächen ohne Hecken.

10:15

Das mal außer Acht gelassen.

10:20

Das Ding ist halt schlicht und ergreifend.

10:23

Wenn ich jetzt sagen würde, diese Metropole hier,

10:27

also Metropole ist es nicht, nein, es ist

10:29

eine typische deutsche Großstadt Dresden mit seinen 500

10:34

.000 Einwohnern, 600.000 Einwohnern, ich weiß gar

10:36

nicht wie viele es sind, aber irgendwas in

10:39

der Drehe wird es sein.

10:43

Die könnten sich nicht von der Natur im

10:49

direkten Umfeld annähern.

10:52

Das würde nicht funktionieren.

10:58

Und auch wenn diese 500.000 Menschen auf

11:01

die Idee kommen würden, wir müssen jeden Tag

11:04

eine halbe Stunde durch die Dresdner Heide pilgern,

11:09

das wäre nicht mehr erholsam.

11:13

So groß sind die Flächen überhaupt nicht.

11:16

Selbst wenn ich jetzt noch Weitgebiete drumherum, Päusenwald,

11:21

Windbergareal zum Beispiel, was ich jetzt auch gerade

11:24

noch sehe, wo ich lang laufe, über diesen

11:27

steifgefrorenen Lager, das würde einfach nicht funktionieren.

11:37

Wir sind zu viele dafür.

11:40

Wir sind zu viele Menschen auf dem Planeten,

11:42

um von der Wildnis zu leben.

11:44

Oder besser gesagt, von dem was wir von

11:47

der Wildnis übrig gelassen haben.

11:49

Wir sind eigentlich so ein bisschen auch in

11:51

dem Dilemma, dass wir uns fragen müssen, okay,

11:54

selbst wenn wir jetzt ganz viel Wildnis wiederherstellen,

11:57

könnten wir denn davon leben?

11:58

Nee, wahrscheinlich nicht.

12:02

Wir müssen also irgendwo wieder einen Weg finden,

12:07

in diese Ressourcenbalance hineinzukommen und gleichzeitig aber nicht

12:16

die Existenz unserer Art zu gefährden.

12:21

Das ist total paradox.

12:23

Wenn wir so weitermachen, wie wir jetzt machen,

12:26

dann brennen wir unseren Planeten einfach aus und

12:30

werden aussterben.

12:31

Punkt.

12:33

So wie wir jetzt sind.

12:37

Das andere Extrem, wir hören schlagartig auf, das

12:42

zu machen, wie wir es halt machen, würde

12:46

uns auch nicht weiterbringen.

12:48

Weil wenn wir das tun, dann werden wir

12:54

auch aussterben.

12:57

Und zwar genauso schnell.

13:02

Ich würde zwar vermuten, dass bei Letzterem die

13:05

Wahrscheinlichkeit höher ist, dass daraus, ach nee, eigentlich

13:12

ist sie gleich hoch, glaube ich.

13:13

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus so einer massiven Veränderung,

13:17

aus so einem massiven Exodus etwas Positives da

13:22

wächst, ist wahrscheinlich gleich hoch.

13:28

Aber so weit würde ich gar nicht denken.

13:31

Die Frage, die ich mir stelle, und das

13:32

ist halt eher eine ganz pragmatische Frage an

13:35

der Stelle, ist halt, was braucht es denn

13:44

eigentlich für uns, um hier wieder in der

13:48

Balance reinzukommen.

13:51

Und dafür braucht es, glaube ich, einerseits diese

13:54

Naturverbindung, aber nicht im Sinne von zurück zur

13:57

Natur, zurück zum Jäger- und Sammlertum, sondern

14:01

zurück zu einer vernünftigen Geschwindigkeit, einer vernünftigen

14:07

Geschwindigkeit, in der wir wieder in der Lage

14:11

sind, uns zu fassen und wieder als Gesellschaft

14:16

zu regulieren.

14:17

Das können wir ja einfach gerade gar nicht

14:18

mehr.

14:23

Und eben wieder im Sinne mit den Ressourcen,

14:28

die wir jetzt eben haben, mit den Ressourcen,

14:31

die wir vielleicht trotzdem noch einsparen können, in

14:38

den Einklang hineinzukommen.

14:42

Also nicht alles fallen lassen und zurück zur

14:46

Natur und auch nicht, ja, wir machen halt

14:48

einfach mal so weiter, weil ansonsten sterben wir

14:50

alle, sondern eben wirklich konsequent zu prüfen, welche

14:55

Ressourcen haben wir.

14:56

Und mit Ressourcen meine ich nicht nur Erdöl,

15:00

Kohle, Edelmetalle, whatever, sondern damit meine ich sich

15:04

bestimmt auch, okay, welche technologischen Ressourcen

15:15

haben wir denn auch, welche wissenschaftlichen Ressourcen haben

15:18

wir denn auch, um mit der aktuellen Situation

15:23

umzugehen.

15:23

Das ist nichts anderes, als ein Ökosystem eben

15:27

auch macht.

15:28

Ein Ökosystem versucht, mit den Ressourcen, die es

15:33

eben hat, umzugehen und zu haushalten.

15:36

Ich bemühe da total gerne so auf meinen

15:39

Wanderungen eigentlich dieses Bild zu sagen, dass im

15:48

Wald, das ist ein Stück Natur, immer eigentlich

15:55

als ein geschlossenes System zu betrachten ist, thermodynamisch,

16:00

rein wissenschaftlich.

16:02

Und in diesem geschlossenen System gilt der Energieerhaltungsrat.

16:06

Das heißt, da geht nichts verloren und da

16:09

entsteht auch nichts.

16:11

Und die einzigen Einflüsse, die im Prinzip auf

16:14

dieses System grundsätzlich erst mal bestehen oder wo

16:19

ein Austausch zwischen diesem System existiert, ist die

16:22

Luft und ist möglicherweise der Boden und das

16:26

Grundwasser, was hier in das System rein und

16:30

raus geht.

16:30

Das sind eigentlich die einzigen Zuflüsse, die existieren.

16:33

Sprich, wenn plötzlich das Kohlendioxid weg ist, dann

16:36

kann das in dem Systemwald wahrscheinlich nicht entstehen

16:41

und auch nicht gehalten werden.

16:43

Und dasselbe gilt zum Beispiel für Wasserzugänge.

16:48

Wenn ich das einfach mal auf unseren Planeten

16:51

übertrage und unsere Gesellschaft und all unsere Ressourcen

16:56

übertrage, ein Wald haushaltet komplett mit den Ressourcen,

17:00

die er eben hat.

17:01

Die Nährstoffe, die im Boden sind.

17:03

Ein Wald kann nicht schneller wachsen, als da

17:05

Nährstoffe im Boden vorhanden sind.

17:08

Auch wenn Bäume umfallen und Totholz verwertet wird

17:12

und so weiter und so fort.

17:13

Dadurch entstehen grundsätzlich im Boden erst mal keine

17:16

neuen Nährstoffe.

17:18

Weil die waren vorher schon da.

17:20

Die sind vorher schon verwendet worden, um dadurch

17:23

Bäume zu bauen.

17:25

Wenn man es jetzt so stark simplifizieren will.

17:44

Zurück zu unserer Gesellschaft.

17:46

Was wir eben machen, ist, wir nutzen diese

17:48

ganzen Ressourcen, wir wandeln diese Ressourcen in großen

17:52

Mengen eben stofflich um.

17:54

Indem wir aus Erdöl Kohlendioxid machen, mit dem

17:57

wir nichts anfangen können und aus dem wir

17:58

auch nicht wieder Erdöl herstellen können.

18:03

Wir wandeln Erdöl in Kunststoffe um, aus denen

18:08

wir zum Beispiel Bekleidung herstellen.

18:11

Und auch das können wir nicht wieder rückgängig

18:16

machen.

18:18

Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich.

18:20

Das ist so eine Einbahnstraße.

18:22

Und das ist halt etwas, was zum Beispiel

18:23

in einem Ökosystem wie einem Wald eben nie

18:26

passiert.

18:27

Im Wald ist es eben genau andersrum.

18:29

Im Wald wird alles, was mal war, was

18:37

nicht mehr gebraucht wird, eben komplett wiederverwertet.

18:41

Ich gehe jetzt gerade in den Wald rein

18:43

und ich sehe das eben auch.

18:45

Da sind schief liegende Bäume, hier sind abgestorbene

18:48

Bäume, hier lebt Totholz am Boden.

18:51

Das ist ja nicht so ein super geleckter,

18:52

gepflegter Wald.

18:53

Von daher, I like it.

18:57

Und das wird halt Stück für Stück wieder

18:59

dem Nahrungskreislauf, dem System, die Nährstoffe darin wieder

19:04

zugeführt.

19:05

Und das funktioniert halt bei uns nicht.

19:07

Wir produzieren Unmengen von Kleidung, die wir dann

19:12

drei Monate tragen, weil sie danach zerschlissen ist,

19:16

weil sie so eine miserable Qualität hat, weil

19:19

sie so billig produziert worden ist und in

19:22

Wirklichkeit mit so viel Leid und unter so

19:25

beschissenen Bedingungen, dass man sich eigentlich schämen muss,

19:28

sowas zu kaufen.

19:29

Und dann schmeißt man es nach drei Monaten

19:30

weg, weil es ...

19:33

Und da sage ich jetzt noch nicht mal

19:34

irgendwie diesen bösen Fast Fashion Bereich, wo man

19:38

sagt, hey, das gefällt mir nicht mehr, ich

19:43

brauche jetzt was Neues, sondern eher sogar den

19:46

so halb erzwungenen Bereich, dass das Zeug halt

19:50

einfach mal ...

19:51

Wir gehen die Nähte auf.

19:53

Wenn du das selber versuchst zu nähen, das

19:57

kriegst du gar nicht hin, weil der Stoff

19:58

schon verschlissen ist nach drei Monaten.

20:01

Und was machst du dann damit?

20:02

Du kannst es nicht mehr verwenden.

20:05

Der Stoff hat so eine schlechte Qualität, dass

20:07

du ihn noch nicht mal wirklich verwenden kannst,

20:09

um daraus was Neues zu machen.

20:11

Ja, und die Kleiderspende brauchst du es auch

20:13

nicht geben, weil es kann einfach niemand mehr

20:14

anziehen.

20:15

Dementsprechend wandert das Zeug auf den Müll.

20:20

Und dann Verbrennung.

20:26

Recycling ist nicht.

20:30

Also wird es verbrannt oder wird exportiert und

20:35

liegt dann irgendwo auf gigantischen Müllbergen in irgendeiner

20:38

Wüste rum.

20:42

Nur als ein Beispiel, wo wir eben überhaupt

20:44

nicht ressourceneffizient arbeiten.

20:45

Und es aber eigentlich total trivial wäre zu

20:47

sagen, okay, ja fuck, ich brauche nicht 50

20:51

T-Shirts im Schrank.

20:52

Eigentlich reichen mir vielleicht ...

20:55

Weiß ich nicht, bin ich mal ganz ehrlich,

20:57

wie viel reichen mir?

20:57

Mir reichen irgendwie 10 T-Shirts und zwei

21:02

Hemden, ein paar verschiedene Hosen für verschiedene Anwendungszwecke

21:11

und dann noch Unterwäsche dazu und dann war

21:13

es das.

21:13

Also mehr brauche ich eigentlich nicht.

21:18

Und ja, wenn wir das jetzt einfach mal

21:22

so auf die komplette Gesellschaft beziehen, wir könnten,

21:30

so wie wir sind, nicht einfach nur von

21:32

der Wildnis leben.

21:33

Wir brauchen trotzdem Nahrungsmittel, die wir potenziell nicht

21:41

extensiv erwirtschaften können.

21:48

Das funktioniert erstmal nicht.

21:49

Wir brauchen irgendeine Form von intensiver Landwirtschaft, die

21:56

man aber, und das ist die andere Denkrichtung,

22:00

auf verschiedene Arten und Weisen gestalten kann.

22:02

Ich kann auch eine intensive Landwirtschaftung erreichen, ohne

22:09

die Natur zu schädigen.

22:11

Das ist in meinen Augen ...

22:13

Wirklich bin ich kein Experte dafür, deshalb würde

22:15

ich mich hier auch gerade nicht so weit

22:17

rauslehnen, weil ich mache ja diese Podcast-Folgen

22:20

spontan, so wie mir die Gedanken in den

22:22

Kopf kommen.

22:23

Deshalb sind die auch so ein bisschen verschwurbelt

22:24

vielleicht manchmal.

22:28

Aber ich glaube da einfach nur, wenn ich

22:30

an so würtige Farming-Sachen zum Beispiel denke,

22:34

das ist ja eigentlich auch eine intensive Form

22:37

der Raumausnutzung an der Stelle.

22:40

Man versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen und so

22:43

weiter und so fort.

22:44

Aber irgendwo müssen die Nährstoffe ja auch herkommen.

22:48

Also wenn ich da irgendwelche Nährlösungen reinschütte, die

22:50

muss ja auch wieder irgendwo herkommen.

22:53

Da muss man also wirklich irgendwelche Teile betrachten.

23:05

Aber zurück zur Gesellschaft, zurück zur Natur oder

23:13

weitermachen wie gehabt.

23:15

Wir brauchen etwas dazwischen, wir brauchen etwas, wo

23:17

wir unsere Ressourcen, wissenschaftliche Erkenntnisse, technologischen

23:25

Fortschritt so verwenden, dass wir die Natur und

23:28

die Wildnis nicht weiter schädigen, sondern im Gegenteil

23:33

sie eben wieder den Raum geben, sich zu

23:35

regenerieren und sich zu erholen.

23:40

Dann werden wir wieder einen Zustand erreichen, wo

23:44

wir keine Angst mehr davor haben müssen, dass

23:46

uns der komplette Planet abbrennt.

23:49

Und das bedeutet für mich dieses wieder mit

23:53

der Natur verbinden, über planetare Gesundheit nachdenken, sich

24:01

auf die Natur zurückbesinnen, sich zur Natur zurückwenden.

24:07

Das ist es, was ich damit meine, was

24:10

ich dabei fühle, wenn ich darüber nachdenke, was

24:16

das überhaupt bedeutet.

24:29

Und das bringt mich auch ganz, ganz stark

24:32

wieder dahin zurück, was für mich der Kern

24:34

meiner Arbeit ist.

24:36

Der Kern meiner Arbeit ist ja eigentlich nicht,

24:38

wie sag ich mal, Umweltbildung, sondern meine Arbeit

24:46

ist eigentlich getragen von einem wichtigen Gedanken, nämlich

24:51

von dem Gedanken, wenn wir Entscheidungen und Überlegungen

24:58

anstellen und wir das in einem Umfeld tun,

25:01

das aus Stahl und Beton besteht, dann haben

25:07

wir im Worst Case natürlich Ideen, welche

25:17

wieder in Stahl und Beton enden.

25:21

Und im Best Case entstehen in so einem

25:25

Kontext, in so einem Rahmen unter großen Anstrengungen

25:30

Ideen, die nicht aus Stahl und Beton bestehen

25:38

und die wiederum im Worst Case total überzogen

25:44

und idealistisch und träumerisch sind und im Best

25:51

Case eine kleine Veränderung bewirken können, die möglicherweise

25:59

sogar nachhaltig ist, die aber wahrscheinlich trotzdem super

26:05

anstrengend sein wird und die super einseitig auch

26:10

sein wird.

26:11

Und diese kleine Veränderung ist dann unter unglaublich

26:15

großer Energie entstanden, diese Denkenergie, die ich zwischen

26:19

Stahl und Beton investiert habe.

26:23

Und was ich mir einfach wünsche, ist, dass

26:25

Menschen mehr rausgehen und Entscheidungen in der Natur

26:31

treffen und sich von der Natur inspirieren lassen,

26:36

in der Natur schauen, wie funktionieren Dinge, wie

26:40

sehen Dinge aus, wenn sie organisch und nicht

26:42

symmetrisch sind.

26:45

Und das ist etwas, was meine Arbeit trägt

26:48

und was ich in meiner Arbeit voranbringen will.

26:54

Und damit würde ich die Folge jetzt einfach

26:56

auch in diesem Denken einfach gerne mal enden

26:59

lassen.

27:00

Zum einen, was bedeutet es für euch eigentlich,

27:04

sich auf die Natur zurück zu besinnen?

27:06

Ist es für euch so, ich nutze die

27:08

Natur, um mich zu erholen, um damit wieder

27:11

das alte System zu befeuern?

27:15

Oder ist es vielleicht für euch, oder könnt

27:18

ihr euch auch vorstellen, in die Natur zurückzugehen

27:21

und euch wieder mehr mit der Natur zu

27:24

beschäftigen, euch mehr mit der Natur zu verbinden,

27:29

um auf lange Sicht einfach wieder bessere, klügere

27:34

Entscheidungen zu treffen, tragfähigere Ideen zu entfalten?

27:56

Da klopft der Mensch und da klopft der

27:58

Specht.

28:04

In dem Sinne werde ich euch jetzt gleich

28:05

mit ein paar Schritten durchs Laub entlassen und

28:09

wünsche euch eine gute Zeit.

28:12

Bis zur nächsten Folge.